Schlaf

Projekt Morgenmensch: Ein Selbstversuch

Projekt Morgenmensch: Ein Selbstversuch

„Morgenstund hat Gold im Mund“ besagt die gute alte Weisheit, die wohl den meisten geläufig sein sollte. Ich denke, das ist totaler Schwachsinn. Biorhythmen sind je nach Person unterschiedlich und so kann es eben sein, dass man gerade morgens eher Mundstuhl als Gold im Mund hat und so gar nichts auf die Reihe bekommt. Effektives Arbeiten praktisch nicht möglich. Nun bin ich aber wie so viele durch die Arbeit dazu gezwungen doch schon früh morgens aufzustehen und zu eben jener zu gehen. Das mache ich nun schon seit geraumer Zeit und habe dadurch natürlich auch meine Schlafzeiten bis zu einem gewissen Grad angepasst.

 

War es früher noch schwierig für mich überhaupt vor 1-2 Uhr ins Bett zu gehen, bin ich mittlerweile doch schon so weit, dass ich mich gegen 23-24 Uhr aufs Ohr haue. Das hat auf jeden Fall dazu geführt, dass ich zwar immer noch der Meinung bin, dass der Biorhythmus eines jeden Menschen anders verläuft, ich aber dennoch in Frage stelle, ob es nicht doch möglich ist, diesen Biorhythmus durch gezieltes Training umzuprogrammieren.

 

Ich bin kein Morgenmensch und es ist fraglich, ob ich jemals einer werde, aber ich sehe auch die Vorteile, wenn man schon früh morgens wach ist und so der gesamte Tag zur Verfügung steht. Darum und auch vor allem nachdem ich den Artikel „Become a Morning Person“ von Sasha VanHoven auf 99u.com gelesen hatte, will ich mich jetzt auch diesem Experiment unterziehen.

 

Ich habe die simplen Regeln vom Originalexperiment geringfügig modifiziert:

  1. Jeden Morgen um 6:30 Uhr aufstehen.
  2. Kein „Snooze“ Button. Wenn man aufwacht, wird aufgestanden.
  3. Nicht später als 23:30 Uhr ins Bett. Das wird schwierig, aber man kann’s ja mal versuchen. Eigentlich müsste ich spätestens 22:30 Uhr ins Bett, damit ich meine 8 Stunden Schlaf bekomme. Da werde ich aber sukzessive dran arbeiten.

 

Über besagten Artikel wurde ich auch wieder auf das Wake-Up Light von Philips aufmerksam. Ich hatte davon zwar schon vor Jahren gehört, dieser Nachttischlampe aber nie wirklich Beachtung geschenkt. Da es aber im Winter merklich schwerer ist, mit Sonnenlicht in den frühen Morgenstunden aufzuwachen und ich die letzten Wochen auch gemerkt habe, dass ich durch meinen Wecker ganz übel aus dem Schlaf gerissen werde, musste ich mir so eine Lampe jetzt anschaffen. Keine ganz günstige Anschaffung, aber ich will hoffen, dass es mir morgens hilft, leichter und von alleine aufzuwachen. Grundsätzlich macht das Wake-Up Light nichts anderes, als eine halbe Stunde vor der Weckzeit die Lampe ganz leicht immer heller werden zu lassen bis sie dann richtig hell leuchtet, sobald man aufstehen muss. Zur Sicherheit ertönt zur Weckzeit dann auch noch Vogelgezwitscher, oder alternativ ein Wecksignal oder Radio. Ziel ist aber, dass man durch das langsam ansteigende Lichtintensität, selbst aus dem Schlaf erwacht und dadurch wesentlich einfacher aus dem Bett kommt. Ich habe mir dazu das Philips Wake-Up Light HF3470/01 besorgt, da es noch zu den preisgünstigen Modellen gehört und man den Halogenstrahler auch noch selbst austauschen kann. Spätere Modelle muss man an Philips einsenden, sollte die Lampe nicht mehr funktionieren. Die Politik, die Philips damit fährt, lasse ich an dieser Stelle mal unkommentiert. Das oft in Bewertungen auf Amazon.de genannte Brummen der Lampe während das Licht immer heller wird, hat sich bei mir übrigens nicht eingestellt. Vielleicht lag es an einem defekten Halogenstrahler in der Lampe.

 

Gestern und heute habe ich die Lampe schon benutzt und bin doch überrascht, wie gut das funktioniert. Am ersten Morgen musste mich noch das Vogelgezwitscher aus dem Schlaf holen. Aufstehen fiel mir aber trotzdem schon leichter als mit meinem normalen Wecker. Heute morgen bin ich durch das Licht schon 9 Minuten vor der eigentlichen Weckzeit aufgewacht und ich hab mich nicht gefühlt, als hätte man mich gerade im Tiefschlaf mit dem Zug überrollt. Ich war nicht extrem wach und bin auch nicht direkt aufgesprungen um die Welt zu umarmen. Aber ich hatte keine Probleme aufzustehen. Nach zwei Tagen schon ein gutes Ergebnis.

 

Das eigentlich Experiment selbst beginnt am Montag. Dann werde ich den Artikel täglich damit aktualisieren, wie es mir so erging. Ich bin gespannt, ob ich zum Morgenmensch mutiere und tatsächlich die Tage besser nutzen kann oder ob es mich vollkommen fertig macht und ich doch einen anderen Weg einschlagen muss. Mein Ziel des Experiments ist es, die Tage besser nutzen zu können und so Projekte schneller voranzubringen und meinen Lebenszielen schneller näher zu kommen. Man darf gespannt sein.

 

Update 1:

Gestern pünktlich auf 23:30 Uhr ins Bett gegangen. Leider war mein Schlaf sehr schlecht und ich bin ständig aufgewacht. Deshalb fiel mir dann das Aufstehen auch ziemlich schwer, so dass mich dann das Vogelgezwitscher vom Wake-Up Light letztlich aus dem Schlaf holen musste, obwohl ich vorher schon durch das Licht kurzzeitig wach war. Ein durchwachsenes Ergebnis, aber bedingt durch den schlechten Schlaf wohl nicht anders zu erwarten. Das wird sich morgen schon ganz anders darstellen, hoffe ich.

 

Update 2:

Gestern um 22:49 Uhr das Licht ausgemacht und dann 9 Minuten (interessanterweise hatte ich das ja genauso schon vor zwei Tagen) vor der eigentlichen Weckzeit durch das Wake-up Light aufgewacht. Ich bin zwar noch einige Minuten liegengeblieben, hab aber währenddessen schon mal ein paar Mails und aktuelle Meldungen im Internet durchforstet. Aufstehen war sehr viel angenehmer als bisher ohne den Lichtwecker und ich konnte auch noch in Ruhe duschen und Frühstück machen. Bisher bin ich sehr zufrieden mit dem Experiment. Ich merke aber auch, dass ich abends deutlich früher müde werde, was ich jetzt noch in Einklang mit dem abendlichen Sport bringen muss. 

 

Update 3:

Da bin ich gestern mal viel zu spät ins Bett gegangen (23:49 Uhr) und das hat sich natürlich dadurch gerächt, dass ich heute erst richtig aufgewacht bin, als der Weckton losging. Bedingt dadurch bin ich jetzt heute auch nicht wirklich fit. Naja, selbst Schuld.

 

Update 4:

Gestern kurz vor 23 Uhr ins Bett gegangen und heute 8min vor der Weckzeit durchs Licht aufgewacht. Doch, ich bin eigentlich jetzt schon überzeugt davon, dass das Wake-up Light ziemlich nützlich ist. Und was die Umstellung auf Morgenmensch angeht: Wirklich fit bin ich morgens jetzt nicht, aber bisher sind ja lediglich vier Tage vergangen. Da ist noch nicht so viel zu erwarten, denke ich. Da geht noch was.  

 

Update 5:

Heute morgen bin ganz schwer rausgekommen und hab auch direkt 30 Minuten überzogen. Schätze, ein Morgenmensch wird man kaum in 5 Tagen. Ich werde aber weiterhin versuchen das durchzuziehen. Gewohnheiten stellen sich ja frühestens nach einem Monat ein. Deshalb wird nur ein Langzeittest zeigen, ob man tatsächlich zu einem Morgenmensch werden kann. Ich würde es aber trotzdem jedem empfehlen auszuprobieren. Man kann die Tage definitiv anders und mitunter wirklich besser nutzen. Nach nur 5 Tagen ein gutes Ergebnis für mich, das mich positiv stimmt.

Mehr Erfolg durch weniger Arbeit

Mehr Erfolg durch weniger Arbeit

Es scheint im ersten Moment paradox zu sein: Man hat mehr Erfolg indem man weniger arbeitet. In der heutigen Zeit geht es hauptsächlich nur noch darum, Leistung zu bringen. Von morgens bis abends soll man arbeiten oder lernen, am besten ohne Pause. Es wird einem suggeriert, dass man nur auf diese Weise erfolgreich sein und es so zu etwas bringen kann. Diese Weisheit könnte nicht weiter von der Realität entfernt sein.

 

Jeder Mensch verbraucht täglich Energie durch unterschiedlichste Dinge. Das fängt beim Aufstehen und Zähneputzen an und geht bis zum Gedanken an die Fernsehserie von gestern Abend. Alles verbraucht Energie. Diese Energie muss dann in Regenerationsphasen wieder aufgefüllt werden. Die wichtigste Regenerationsphase ist der Schlaf. Gerade der wird mittlerweile zugunsten von Arbeit aber vernachlässigt. Die Auswirkungen auf das allgemeine Leistungsniveau sind verheerend.

 

Wir benötigen durchschnittlich 8 bis 8,5 Stunden Schlaf pro Nacht. Nur sehr wenige Menschen kommen tatsächlich mit weniger Schlaf aus. Wer meint, mit nur 6 Stunden oder weniger auszukommen, macht sich in der Regel etwas vor und verbaut sich damit die Chance, sein volles Leistungspotenzial auszuschöpfen. Die Zeit, die man am Schlaf eingespart hat, wird nicht optimal genutzt und senkt zusätzlich auch noch ganztägig das Leistungsniveau. Wer am Schlaf spart, spart definitiv am falschen Ende.

 

Und da wir sowieso gerade beim Schlaf sind, kommen wir doch zum im Westen ach so verpönten Mittagsschlaf. In asiatischen Kulturen überhaupt kein Problem, würde man hier doch mit seinem Arbeitgeber wohl einiges an Ärger bekommen, wenn man mittags einfach mal ein paar Minuten schläft. Dabei würde ein kurzer Mittagsschlaf wunder wirken, was die Produktivität in den Nachmittagsstunden angeht. Der Mensch ist nicht darauf ausgelegt den ganzen Tag wach zu sein. Wir haben uns zwar darauf trainiert, aber der Körper benötigt eine kurze Erholungsphase mittags, um dann wieder mit aufgeladenen Batterien weitermachen zu können.

 

Damit noch nicht genug, ist der Körper auch nicht dafür gebaut, über 90min am Stück konzentriert und effektiv zu arbeiten. Man sollte sich darauf trainieren, 90min zu arbeiten und dann eine kurze Pause zu machen, in der man komplett abschaltet, damit eine Erholung möglich ist.

 

Wer also glaubt, dass man gut damit fährt, wenn man jeden Tag ganztägig ohne großartige Pausen arbeitet und dabei versucht mit wenig Schlaf auszukommen, um mehr Zeit für die Arbeit zu haben, der sollte sich besser informieren. Wer sich ausreichend Ruhepausen und Schlaf zugesteht, wird wesentlich mehr und qualitativ hochwertigere Arbeit in kürzerer Zeit erledigen können. Da Erfolg maßgeblich von der Qualität der eigenen Arbeit abhängt, sollte man sich wirklich überlegen, ob man sich nicht doch besser einfach mal auf’s Ohr haut, bevor man völlig übermüdet versucht noch eine Arbeit fertigzustellen.

 

Das Prinzip lässt sich natürlich noch auf viele andere Lebensbereiche anwenden, sei es das Studium und dem damit verbundenen Lernen für Klausuren oder das Erlernen eines Musikinstruments. Der Körper braucht immer Ruhepausen, um die Energiereserven wieder aufzubauen und das Gelernte zu verarbeiten.

 

Weniger ist manchmal also wirklich wesentlich mehr.